„Ich bin überzeugt,
dass Kunst und Kultur unverzichtbare Grundlage
einer Gesellschaft im demokratischen
und friedlichen Zusammenleben sind.“

„I believe
that the arts and culture provide
the essential foundation
for a democratic and peaceful society.“

(Prof. Dr Martin Roth)
 

ZUM TOD VON MARTIN ROTH

Prof. Dr. Martin Roth, der Präsident des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), verstarb nach schwerer Krankheit am 6. August 2017 im Alter von 62 Jahren in Berlin.
 
Martin Roth war einer der herausragenden und erfolgreichsten Kulturmanager, Museumsleiter und Kuratoren unserer Zeit.
1955 in Stuttgart geboren, studierte Martin Roth an der Universität Tübingen Empirische Kulturwissenschaft. Seine Promotion über den politischen und historischen Hintergrund von Museen und Ausstellungen in Deutschland zwischen 1871 und 1945 legte den Grundstein für eine beispiellose Karriere. Seine internationale Laufbahn begann als Direktor des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden, dem folgten die Positionen als Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und Vorsitzender des Deutschen Museumsbundes. Martin Roth war Kurator der Expo in Hannover und schließlich als erster Deutscher Direktor des Victoria & Albert Museums in London, das unter ihm 2016 britisches „Museum des Jahres“ wurde. Das Museum erreichte unter seiner Führung mit Ausstellungen zu David Bowie, Bob Dylan und Alexander McQueen Besucherrekorde.
Am 1. Juli 2017 übernahm Martin Roth das Ehrenamt des Präsidenten des Instituts für Auslandsbeziehungen. Sein Wirken im ifa war leider viel zu kurz, doch wird es Spuren hinterlassen. Martin Roth hat im Vorfeld seiner Präsidentschaft in zahlreichen Gesprächen wichtige Perspektiven eröffnet und Themen formuliert, die für das ifa künftig relevant sein werden: Kunst und Kultur müssen sich politisch einmischen – Kreativität ist eine treibende Kraft zur Zukunftsgestaltung einer Gesellschaft – Kultur bildet maßgeblich die Identität von Menschen. Das waren Leitgedanken, die Martin Roth trieben. Es ging ihm um die Relevanz und die Einmischung von Kunst in Gesellschaft und Politik. So kritisierte er heftig das mangelnde Engagement der Kulturschaffenden gegen aktuelle Bedrohungen – sei es das auseinanderbrechende Europa oder die Pegida-Bewegung in Dresden. Martin Roth war ein Freund der klaren Worte, Provokation und Polarisierung waren ihm Mittel der Wahrheitsfindung. Ob Kulturgutschutzgesetz, Humboldt-Forum oder der Brexit – er hatte dezidierte Positionen und forderte von der Kultur, Verantwortung für politische Entwicklungen zu übernehmen und einzuschreiten.
 
Wer Martin Roth kannte, sah voller Bewunderung, dass er bis zuletzt energisch Zukunft entwarf und immer nach den Menschen hinter den Dingen fragte. Es war seine Art des Umgangs mit den Aufgaben und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die jede der von ihm geleiteten Institutionen in ein Zentrum für Innovation und Experiment verwandelte. Er schuf lebendige Orte für Menschen, die sich mit Themen der Zeit auseinandersetzen wollen. Seine Museen bekamen im besten Sinne neben wissenschaftlicher Fundierung und kuratorischer Qualität den Charakter von Treffpunkten. So zog er die Menschen hinein in Häuser, die fortan Publikumsrekorde erlebten. Martin Roth war ein Magnet für Aufklärung, Bildung und Meinungsbildung mittels Kunst und Design. Sein Mut, seine Überzeugungskraft und sein Ideenreichtum begleiten unser Denken und Handeln.
Der Tod von Martin Roth erfüllt uns mit tiefer Trauer und sollte als Auftrag an alle empfunden werden, sein Lebenswerk fortzusetzen. Unser aufrichtiges Beileid und unsere Anteilnahme gelten der Familie, seiner Frau und seinen Kindern.
 
Dr. Bernt Graf zu Dohna, Vize-Präsident
Ronald Grätz, Generalsekretär
 
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Charlottenplatz 17
70173 Stuttgart
 
Foto: Max Kovalenko
 
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