Vom Bosporus an die Spree: Bundesaußenminister Heiko Maas eröffnet erste Werkschau der Kulturakademie Tarabya in Berlin

Die Kulturakademie Tarabya ermöglicht Künstlerinnen und Künstlern mit Wohnsitz in Deutschland seit 2012 Residenzen in der Türkei, um dort zu arbeiten und sich mit der türkischen Kulturszene zu vernetzen. Das von der Deutschen Botschaft Ankara betriebene und vom Goethe-Institut kuratorisch betreute Künstlerhaus trägt auch in Zeiten kulturpolitischer Spannungen zu einem intensiven deutsch-türkischen Kulturaustausch bei. Am 21. November 2018 eröffneten Bundesaußenminister Heiko Maas und der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann die erste Werkschau der Künstlerresidenz in Deutschland: Unter dem Titel „Studio Bosporus“ präsentierten 27 Stipendiatinnen und Stipendiaten des Jahrgangs 2017/18 einen Abend lang ihre Arbeiten im Hamburger Bahnhof in Berlin, darunter Philipp Lachenmann, Max Czollek, Angelika Overath und Nora Krahl.

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte in seiner Eröffnungsrede: „Es gibt kaum ein anderes Land, zu dem Deutschland engere menschliche Beziehungen hat als zur Türkei. Wir beobachten in letzter Zeit aber auch, dass politische Konflikte, die in der Türkei ausgetragen werden, auch hier spaltend wirken, teils auch bewusst geschürt werden. Das wollen wir nicht zulassen. Wir setzen deshalb alles daran, das Verbindende zu stärken. Die Kulturakademie in Tarabya ist ein Herzstück dieses Engagements.“ Im Programm der Kulturakademie entstünde ein produktiver Austausch, erklärte Heiko Maas weiter und betonte: „Die Übersetzung des Lebens in die Sprache der Kunst gelingt nur, wenn diese Sprache keiner Einschränkung von außen unterliegt. Kunst muss frei sein. Künstler müssen frei sein. Lassen Sie uns diese Freiräume bewahren – nicht nur Tarabya, sondern überall in Deutschland und der Türkei.“

Der Präsident des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann hob die hohe Bedeutung der deutsch-türkischen Residenzarbeit hervor: „Mit der Kulturakademie Tarabya in Istanbul ist eine deutsch-türkische Begegnungsstätte mit Strahlkraft entstanden. Künstlerresidenzen wie Tarabya sind keine einsamen Inseln der Glückseligen, sondern Freistätten der Inspiration, der Begegnung und der künstlerischen Arbeit. Es sind ehrgeizige Orte, die Zukunft schaffen.“ Die Zusammenarbeit der Stipendiatinnen und Stipendiaten mit lokalen Partnern der Zivilgesellschaften halte den deutsch-türkischen Kulturaustausch lebendig. „Die traditionell guten Beziehungen im Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsbereich befinden sich derzeit in einer mehr als kritischen Phase“, so Lehmann weiter, „das Goethe-Institut sieht sich hier als glaubwürdiger Vermittler gefordert, als Garant für Meinungsfreiheit. Trotz eng werdender Freiräume werden wir bei unserem Engagement für unsere Partnerschaften bleiben.“

Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, betonte: „Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind von besonderer Natur – gerade die langjährige Kulturkooperation zwischen unseren Ländern macht in diesen schwierigen Zeiten Initiativen wie die Kulturakademie Tarabya nötiger denn je, denn sie knüpfen an Gemeinsamkeiten an und entwickeln diese im offenen Austausch weiter. Istanbul ist eine Stadt mit einer ungemein lebendigen Kulturszene, die – das machen unsere Partner uns sehr deutlich – einem regen Austausch mit in Deutschland lebenden Künstlerinnen und Kulturschaffenden sehr große Bedeutung beimisst.“

Die Kulturakademie Tarabya wurde im Jahr 2011 auf Initiative des Deutschen Bundestags gegründet und ermöglicht Künstlerinnen und Künstlern mit Wohnsitz in Deutschland eine Residenz in der Türkei. Für vier bis acht Monate können sie in der Kulturakademie an ihren Werken arbeiten und sich mit der türkischen Kulturszene vernetzen. Seit dem Einzug der ersten Stipendiatinnen und Stipendiaten vor sechs Jahren haben über 70 herausragende Kulturschaffende auf dem Gelände der historischen Sommerresidenz des deutschen Botschafters an ihren Projekten gearbeitet.

Die präsentierten Arbeiten von 27 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus den Bereichen Bildende und Darstellende Kunst, Literatur, Musik und Film reflektieren auf vielfältige Weise die Erfahrungen, die die Künstlerinnen und Künstler während ihrer Residenz gemacht haben. So stellt der Medienkünstler Philipp Lachenmann seine Videoarbeit „Turkish Night (AKM)“ aus, die in Istanbul am Taksim-Platz entstand und das inzwischen abgerissene Opern- und Konzerthaus Atatürk Kültür Merkezi (AKM) letztmalig in Szene setzt. Die Berliner Malerin Franziska Klotz setzt sich in ihrer Arbeit, die aus einer großformatigen Malerei und einer Videoinstallation besteht, mit kollektiven und individuellen Angstreflexen auseinander. Die deutsche Cellistin, Komponistin und Performerin Nora Krahl zeigt ihre musikalische Performance „Schattenpapier“ als Reaktion auf Sena Başöz‘ Soloausstellung „On Lightness“, die sich mit der Verarbeitung traumatischer Ereignisse auseinandersetzt und ebenfalls ausschnittsweise gezeigt wird. Außerdem werden Texte vorgestellt, die in Istanbul entstanden sind, unter anderem von Max Czollek, Katerina Poladjan und Angelika Overath.

Darüber hinaus fand eine Podiumsdiskussion mit Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, und dem Regisseur Tuğsal Moğul, der die deutsch-türkische Koproduktion „Auch Deutsche unter den Opfern“ zum NSU-Komplex in Istanbul auf die Bühne gebracht hat, statt. Im Fokus des Gesprächs standen die Wirksamkeit von Kulturarbeit in angespannten politischen Zeiten und die Nachhaltigkeit von Residenzprogrammen sowie ihre Funktion als Schutzraum. Asena Günal, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Kulturinstitution Anadolu Kültür, die ebenfalls für die Podiumsdiskussion vorgesehen war, durfte nicht ausreisen. Sie sandte stattdessen eine Videobotschaft: „Ich war eigentlich sehr glücklich darüber mit Ihnen diesen Abend teilen zu können. Leider stehen wir seit der unsinnigen Festnahme am Freitag unter Ausreiseverbot. Über den Anwalt hatte ich mich auch mit Osman Kavala ausgetauscht. Er schlug mir vor zu betonen, welche zunehmende Bedeutung die kulturelle Zusammenarbeit zwischen zwei Ländern in solchen schwierigen Zeiten gewinnt. Dadurch fühlen wir uns nicht alleine und isoliert. Es war für uns immer eine Ehre, Künstler der Tarabya Kulturakademie und anderen Residenzprogrammen kennenzulernen, Zeuge ihrer Produktionen sein zu können. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Programme neue Horizonte schaffen und uns und die Künstler bereichern.“

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler:

Theo Eshetu, Isabella Gerstner, Franziska Klotz, Philipp Lachenmann, Funda Özgünaydın, Youssef Tabti, Tuğsal Moğul, Judith Rosmair, Sina Ataeian Dena, Ilker Çatak, Ayat Najafi, Martina Priessner, Jan Ralske, Max Czollek, Matthias Göritz, Angelika Overath, Katerina Poladjan, Monika Rinck, Peter Schneider, Özgür Ersoy, Nora Krahl, Stefan Lienenkämper, Angelika Niescier, Defne Şahin, Michael Schiefel, Christian Thomé, Jacobien Vlasman

Die Alumni haben mit folgenden Koproduktionspartnern zusammengearbeitet: Gökhan Bağcı, Sena Başöz, Kaan Bıyıkoğlu, Ekin Cengizkan, Asena Günal, Müge Hendekli, Irene Kurka, Ulrich Mertin, Guy Mintus, Ercüment Orkut, Özcan Ulucan, Apostolos Sideris, Ayşe Cansu Tanrıkulu.

Weitere Informationen zur Kulturakademie Tarabya finden Sie unter: www.kulturakademie-tarabya.de

„Studio Bosporus“ ist eine Veranstaltung der Kulturakademie Tarabya im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Mercator.

Kontakt:

Dr. Jessica Kraatz Magri
Pressesprecherin und
Bereichsleiterin Kommunikation
Goethe-Institut e.V.
jessica.kraatzmagri@goethe.de

Lena Alpozan
Kommunikation
Kulturakademie Tarabya
Goethe-Institut Istanbul
lena.alpoazan@goethe.de