Dr. Andreas Görgen, Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation des Auswärtigen Amtes
#menschenbewegenjetzt

„Ohne Freiheit kein Fortschritt – für eine Auswärtige Wissenschaftspolitik“

Rede anlässlichder Veranstaltung Berlin, 10.10.2017, Humboldt Universität zu Berlin, Senatssaal
Liebe Frau Professor Kunst,
Lieber Herr Professor Schwarz,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

Es ist gar nicht so lange her, da verbrannten Deutsche, hier, wenige Meter von der Humboldt-Universität entfernt Bücher.

 
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dieser Universität hier entlassen, von ihr verstoßen, ins Exil, in Haft und Lager, in den Tod getrieben. Es ist noch gar nicht so lange her, da schlossen sich in zugleich vielen und zu wenigen Ländern andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Universitäten, Forschungsinstitutionen und Verwaltungen zusammen zu Bündnissen, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu helfen, denen die Flucht aus Deutschland gelang. Zu helfen zu überleben, aber auch – und darum geht es uns heute – zu helfen, weiter als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu arbeiten. Cara, Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaftler im Ausland, Scholars at Risk, so nannten sich einige der Netzwerke. Türkei, Großbritannien, Schweiz und USA, das waren Länder, die es der deutschen Wissenschaft erlaubt haben zu überleben. Warum betone ich das so? Weil es so naheliegend scheint, sich selbst und die Philipp Schwartz Initiative zu loben.
 
Ja es stimmt, wir sind stolz darauf, dass Sie alle, verehrte Stipendiaten, heute hier in Deutschland sind und an deutschen Universitäten weiter arbeiten können. Wir freuen uns darüber, dass die Alexander von Humboldt-Stiftung sich selbst und unser Land für den Gedanken geöffnet hat, dass Deutschland endlich ein eigenes Scholars at Risk Programm auflegt.
 
Und wir sind hoch geehrt, dass die Philipp Schwartz Initiative auch internationale Anerkennung und Unterstützung erhält. Vor zwei Wochen erst war ich bei der Mellon-Foundation zu Besuch und habe ihr gedankt für die Unterstützung zweier Initiativen hier in Deutschland, beide eng verbunden mit unserem kulturpolitischen Ansatz, der Unterstützung für das Multaka-Projekt des Islamischen Museums und eben für die Philipp Schwartz Initiative.
 
Aber mit Dank, Anerkennung und ein wenig Stolz ist es doch nicht getan! Wir geben mit der Philipp Schwartz – Initiative lediglich etwas zurück, was wir selbst von anderen Ländern – und zum Teil von Ländern, aus denen Sie zu uns gekommen sind – erfahren haben. Und genau das sollte uns Anlass geben zu ernsthaftem Nachdenken. Was ist das für eine Welt, in der Länder, die Deutschland, die der Freiheit der Wissenschaft und der Zukunft der Menschheit so viel gegeben haben, nun zu uns kommen und unsere Initiativen unterstützen? Was ist das für eine Welt, in der sicher geglaubte gemeinsame Überzeugungen so erschüttert sind, dass wir manchmal den Eindruck haben, der zivilisatorische Fortschritt stehe in Frage?
 
Heute ist also nicht nur ein Tag für Selbstbewusstsein und Freude über das Geleistete. Sondern auch für Bescheidenheit und Anerkennung gegenüber dem, was andere für uns geleistet haben, und für Ehrgeiz und Verantwortung gegenüber den Aufgaben, die vor uns liegen. Und so erlauben Sie, dass ich Ihnen drei Gedanken ans Herz legen möchte, die für selbstbewusste Freude, anerkennende Bescheidenheit gegenüber den Leistungen anderer und ehrgeiziger Verantwortung für uns selbst stehen mögen.
 
Als wir 2015 gemeinsam mit der Alexander von Humboldt-Stiftung die Philipp-Schwartz-Initiative ins Leben gerufen haben, da waren unter den ersten 23 Stipendiaten 14 Syrer und sechs türkische Stipendiaten. Heute kommen mehr als die Hälfte der 124 Stipendiaten aus der Türkei. Und es erfüllt uns mit größter Sorge, dass 21 von Ihnen ihr Stipendium noch nicht antreten konnten, weil sie nicht aus der Türkei ausreisen können. Wir hoffen und warten auf sie.
 
Liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten, wir wissen: Angesichts der anhaltenden Kämpfe im Irak und in Syrien, der sich zuspitzenden Lage von Wissenschaftlern in autoritären Regimes weltweit, kann ein Zweijahresstipendium nur ein Anfang sein. Ein Philipp-Schwartz-Stipendium kauft vor allem Zeit. Zeit, um die Arbeit an den Forschungsvorhaben wieder aufzunehmen, die Sprache zu lernen, Kontakte zu knüpfen und sich im deutschen Alltag zurechtzufinden. Das fängt bei dem Abschluss von Mietverträgen und der Suche nach einer geeigneten Krankenversicherung an und hört keineswegs beim Familiennachzug und der Suche nach einem Kindergartenplatz auf. Und ich darf an dieser Stelle ganz ausdrücklich den Mentorinnen und Mentoren, den akademischen Lehrerinnen und Lehrern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Auslandsämter der aufnehmenden Einrichtungen danken. Sie alle stehen mit viel persönlichem Engagement für „ihre“ Stipendiaten ein.
 
Sie, liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten, haben Strapazen auf sich genommen, um weiterhin in Freiheit wissenschaftlich tätig sein zu können. Ich kann nur ahnen, wie schwierig es ist, sein altes Leben hinter sich zu lassen und zu versuchen, ein neues in der Fremde zu führen. Und bei aller Freude über die eigene Leistung unseres Landes überwiegt die Demut gegenüber dem, was Sie in Ihrem täglichen Leben geben, um das Wort von der Freiheit der Wissenschaft mit Leben zu füllen!
Ich danke Ihnen sehr, dass Sie heute hier sind, um mit uns darüber zu reden. Noch eine Anmerkung möchte ich machen, die uns ein wenig zur Bescheidenheit anhalten sollte: Als der deutsche Pathologe und Namensgeber der Initiative, Philipp Schwartz, 1933 in Zürich die „Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaftler im Ausland“ aufbaute, führte ihn seine erste Reise in die Türkei. Schwartz, Professor an der Universität Frankfurt, war einer von unzähligen deutschen Wissenschaftlern, die damals aufgrund ihrer jüdischen Herkunft fristlos entlassen worden waren. Die Türkei im Gegensatz dazu war offen dafür, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland aufzunehmen. Im akademischen Jahr 1933/34 nahmen an der Universität Istanbul bereits 42 deutsche Professoren ihre Arbeit auf. Insgesamt lehrten bis Anfang der 50er Jahre rund 160 Deutsche an türkischen Universitäten. Schwartz selbst übernahm ab Oktober 1933 das Institut für Pathologie an der Istanbuler Universität. In Deutschland erhielt er auch nach dem Krieg keinen Lehrstuhl mehr. Lediglich seine Professur wurde ihm wieder zuerkannt. Wenn wir uns also freuen über das Erreichte, so wollen wir drei Aspekte nicht vergessen:
 
Erstens sind unsere Leistungen gegenüber dem, was andere für unser Land getan haben, nicht ganz so extraordinär, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.
 
Zweitens: mit vielen Ländern verband und verbindet uns eine gemeinsame Geschichte, die gemeinsame Annahme, dass wir die Aufgaben unserer Zeit nur in einer freien Gesellschaft lösen können. Das sollten wir im Auge halten und betonen, gerade denjenigen gegenüber, die diese Gemeinsamkeit vor der Schimäre kultureller Differenz in Frage stellen! Differenz ist Ausgangs-, nicht Endpunkt des Dialoges!
 
Und drittens: dieses Programm wurde nicht geschaffen, um Wissenschaft zu politisieren – auch und gerade nicht bei uns und wir sollten nicht der Versuchung nachgeben, wissenschaftliche Arbeit und politisches Engagement in einen unmittelbaren Bezug zu setzen.
Sondern, und dazu darf ich gleich noch etwas mehr sagen, wir sollten die Freiheit von Kunst und Wissenschaft schützen – eben auch davor, dass sie selbst politisiert wird. Dazu gehört auch, dass wir Vorhaben eine Absage erteilen, sich innerhalb einer Exil-Community sich außerhalb des akademischen Raumes hier in Deutschland zu stellen. Das würde dem Grundgedanken der Philipp Schwartz Initiative widersprechen.
Zugleich weist uns die Frage von akademischer Freiheit und politischem Umfeld, gerade wenn ein Staatsdiener hiervon redet, auf einen schönen Widerspruch hin, der vielleicht ganz bezeichnend ist für unser Land: Auf der einen Seite sind Universitäten staatliche Einrichtungen, auf der anderen Seite haben sie die Aufgabe, ihre eigene Freiheit gerade gegen staatliche Einflüsse zu schützen. In der Weimarer Reichsverfassung, dieser kurze Exkurs sei erlaubt, fand sich diese schöne Dialektik noch in zwei Sätzen ihren Ausdruck: „Die Kunst, die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei. Der Staat gewährt ihnen Schutz und nimmt an ihrer Pflege teil“. Heute haben wir im Text des Grundgesetzes nur noch Artikel 5 und seinen Freiheitsanspruch. Aber in der gesellschaftlichen Wirklichkeit haben wir natürlich noch die hegelianische Auflösung: Der Staat differenziert sich aus und verleiht „sich“ dabei Grundrechte. Das hat sicher einen korporatistischen Zug, das ist sicher nicht marktliberal, aber es hat befreiende Aspekte. Der Staatsbürger steht an erster Stelle, nicht der Marktteilnehmer.
Und der führt uns unmittelbar zu den Aufgaben einer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik: Sie hat den Freiheitsanspruch von Meinung, Wissenschaft und Künsten ernst zu nehmen und zu verteidigen. Wir nennen das einen sozialen Kulturbegriff und versuchen uns eine Vorstellung davon zu machen, wie wir die Autonomie dieser gesellschaftlichen Bereiche besser verteidigen, schützen und fördern können. Wir tun dies nicht, weil wir glauben, dass dies das einzig mögliche Verständnis einer Politik für Kultur, Bildung und Wissenschaft sei. Sondern weil wir der Meinung sind, eine so verstandene „science diplomacy“, um für unseren Bereich heute zu sprechen, sei in dieser Zeit die richtige – und wir sind uns des dialektischen Widerspruches darin sehr wohl bewusst!
 
Ich betone das so sehr, weil ich glaube, dass gerade heute besonders viel politischer und nicht nur politischer Mut dazu gehört, unseren Ansatz in der Kulturpolitik zu verteidigen und zu finanzieren. Ich danke den Abgeordneten des Deutschen Bundestages hier und an dieser Stelle ganz ausdrücklich dafür! Denn unser Ansatz bedeutet letztendlich: Zugang schaffen zum Freiheitsbereich von Kultur und Bildung über politische, geographische, kulturelle und soziale Grenzen hinweg.
 
In einer Einwanderungsgesellschaft, in Ländern, in denen Zugangsräume eingeschränkt werden und in einer Welt, von der wir glauben, dass neben der humanitären Hilfe die Hilfe zur Humanität, eben zu Bildung und Kultur zu stehen hat.Das mag man für naiv halten. Aber haben wir nicht seit den Geschichten aus 1000 und Einer Nacht gelernt, dass nur das Reden über und Erzählen von Geschichten uns abhält, Geschichte zu machen durch Krieg und Sterben? Wir haben also Grund, unseren Ansatz nicht für naiv zu halten.
 
Aber wir wissen auch, dass wir geradezu exemplarisch für das stehen, was bei vielen Menschen Gefühle der Bedrohung auslöst. Für das Auflösen gewohnter Grenzen, das manchmal turbulente Zusammenfließen von Innen und Außen. Wir wissen, wie oft genau diese Turbulenzen zu Sorgen führen und als Bedrohung empfunden werden.
 
Gegen dieses latente Gefühl der Bedrohung anzukämpfen ist Teil unserer Aufgabe. Auch hier bei uns. Auf uns alle hier wird in den kommenden Jahren eine sehr sehr große Aufgabe zukommen: In dem Maße, in dem Außen und Innen nicht mehr klar zu trennen sind, werden Ihr ganzes Wissen um die Verschiedenheit der Kulturen, Ihre ganze Empathie für diese stärker denn je hier in Deutschland gefordert sein. Und bitte verstehen Sie dies, liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten durchaus als Ermunterung: nehmen Sie Teil an den Diskussionen hier, zeigen Sie, dass Ihre Freiheit auch unsere Freiheit ist, dass Ihr Wissen auch unser Land nach vorne bringt!
 
Nur ein Beispiel will ich nennen: Die Auseinandersetzung mit der Shoah, das „Nie wieder“ gegenüber Antisemitismus und Rassismus ist Grundlage unseres Landes. Und wir werden in den kommenden Jahren vor der Aufgabe stehen, diese Erzählung, diese Sicht der Welt als eine gemeinsame in einer Bevölkerung zu verankern, in denen viele viele Kinder und Jugendliche zu Hause am Küchentisch ganz andere Erzählungen hören. Aber wir sollten nicht so tun, als ob das eine besonders schwierige oder unlösbare Aufgabe sei. Denken wir nur daran, wie gut es uns gelungen ist, aus der Erzählung von der Erbfeindschaft mit Frankreich eine Erzählung der Freundschaft zu machen!
Gegen diese Überzeugung, auf deren Grundlage wir die AKBP gestalten, steht eine andere. Nämlich diejenige, den Verlust an wirtschaftlicher und sicherheitlicher Souveränität ersetzen zu wollen durch kulturelle Souveränität. Sie vergisst, dass die Nationalstaaten in Europa ein Versuch waren, eine Antwort zu geben auf die Unterdrückung durch Kaiser und Könige, auf befohlene Kriege und auf Arbeitssklaverei hier in Europa. Sie vergisst, dass sich Souveränität im Sinne eines eigenen Geltungsanspruches für Europa nur verwirklichen lässt, wenn wir über unsere Nationalstaaten hinaus denken – auch und gerade was deren Kultur angeht und deshalb geht es auch immer um eine post-nationalstaatliche Kulturpolitik!
 
Wenn wir auch nur eine der globalen Aufgaben lösen wollen, dann brauchen wir mehr internationale Zusammenarbeit, nicht weniger. Wenn wir auch nur die Chance haben wollen, mit unserem Verständnis von Welt und Gesellschaft gehört zu werden, dann doch nicht als Nationalstaat mit der Einwohnerzahl eines chinesischen Häuserblocks oder Provinz. Wenn wir unsere Fantasie, unsere Hoffnungen und das europäische Versprechen einer friedlichen und demokratischen Gesellschaft der Propaganda von Autokraten und Diktatoren entgegensetzen wollen, dann doch nur, wenn wir in dem „Kampf der Narrative“, von dem Paul Mason spricht, nicht beiseite stehen.
 
Vereinfacht gesprochen, sehen wir zwei Gesellschaftsmodelle im Wettstreit. Das eine lautet „Wohlstand ohne Widerspruch“, das andere, unseres „Fortschritt durch Widerspruch“. Teil, aber eben nur Teil dieses Fortschrittes ist dann der Wohlstand. Wir begreifen Gesellschaften als Kommunikationszusammenhänge. Die das gemeinsame Streiten über eine bessere Zukunft freie Meinungen und freie Medien brauchen wie die Luft zum Atmen. Deswegen spielen die sogenannten kommunikativen Grundrechte in unserer Verfassung eine zentrale Rolle. Deswegen haben wir in dieser Legislaturperiode auch so energisch einen Bereich für strategische Kommunikation innerhalb meiner Abteilung aufgebaut. Deswegen kümmern wir uns, ob im Baltikum oder in der Türkei, ob in Russland oder China, auch so intensiv um die Freiheit der Medien und der Meinungsmacher und um den Zugang der Menschen zu differenzierten und fundierten Meinungen. Hier geht es um die mögliche Gestaltung der realen Welt und die Freiheit, die diese braucht. Doch mindestens genauso wichtig, nach unserer, im GG niedergelegter Auffassung sogar wichtiger ist es, Zugang zu gewähren und Zugang zu erhalten zu den Hoffnungen und Ängsten, den Hoffnungen und Gründen einer Gesellschaft.
 
Kurz: neben der möglichen Gestaltung der realen Welt geht es um die reale Gestaltung einer möglichen Welt. Um Erkenntnis und Empfingen, das außerhalb des politischen Diskurses liegt. Oder noch kürzer: Um Kunst, Wissenschaft und Forschung und deren Freiheit. Deswegen sind diese im Grundgesetz noch einmal besonders geschützt und deswegen sind der Schutz und das Schaffen von Freiheitsräumen ein zentrales Anliegen der Auswärtigen Kulturpolitik.
 
Wir sind davon überzeugt, dass der künstlerische und wissenschaftliche Freiraum, je mehr man ihn in Ruhe lässt, um so schönere Ergebnisse und Erlebnisse gewährt. Ja, wir sind davon überzeugt, dass eine Stunde in der Universität oder im Kino, im Konzert oder mit einem Buch in der Hand eine andere Welt öffnet und dass Kunst und Kultur uns vor der sogenannten Alternativlosigkeit retten können.
Liebe Frau Mutluer, gleich werden Sie hier auf dem Podium sitzen und mit uns über akademische Freiheit reden. In einem Artikel betonen Sie, wie wichtig es für Sie ist, als Wissenschaftlerin und nicht als Opfer wahrgenommen zu werden. Genau darum geht es: Sie alle sind hier, weil sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind, die in Maschinenbau, Soziologie, Völkerrecht, Psychologie und Geografie lehren und forschen – um nur einige der Fachrichtungen zu nennen. Sie alle stehen beispielhaft für genau das: das Fortschrittsversprechen, dass in der Freiheit der Wissenschaft begründet liegt. Ihre Freiheit, die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, ist unser gemeinsamer Fortschritt.
 
Deswegen, und mit dieser Aufforderung an unseren eigenen Ehrgeiz will ich schliessen, sollten wir nicht beim Erreichten verharren. Sondern auf Sie kommt die mit dem Stipendium verbundene Aufgabe zu, hier in der akademischen Welt Ihren Platz zu finden und ihren Beitrag zum wissenschaftlichen Fortschreiten zu leisten. Und gemeinsam wollen wir dafür werben, die PSI weiter auszubauen.
 
Deswegen, und auch hierbei vertraue ich auf Ihre Unterstützung, sollten wir dem Aufruf der Leiterinnen und Leiter renommierter Theater, Museen und Filminstitutionen aus der ganzen Republik folgen und ein Programm zum Schutz verfolgter Künstlerinnen und Künstler auflegen. Ich verspreche Ihnen, wir werden daran gemeinsam arbeiten und ich darf der AvH an dieser Stelle ganz ausdrücklich dafür danken, dass ihre Initiative ein Vorbild geworden ist. Aber auch umgekehrt gilt: gerade weil diese Freiheit staatlich gefördert und geschützt ist, muss sie sich auch ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft stellen. Wissenschaft darf sich nicht elitär abschotten, sie muss sich selbst in die gesellschaftliche Debatte einbringen und Stellung beziehen, helfen, dass die Gründe und Grundlagen, an denen Sie arbeiten, ihren Platz im gemeinsamen Nachdenken der Bürgerinnen und Bürger finden.
Eine Politik für die Freiheit von Wissenschaft und Kunst ist daher zugleich auch immer eine Bitte an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, an die Künstlerinnen und Künstler: lasst uns nicht allein!
 
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!