Pressemitteilung des Goethe-Instituts vom 11. Juli 2018

Internationaler Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts fördert erneut acht internationale Kulturprojekte

Mit dem Internationalen Koproduktionsfonds fördert das Goethe-Institut kollaborative Arbeitsprozesse sowie innovative Produktionen im internationalen Kulturaustausch. Für die fünfte Runde hat eine internationale Jury nun Projektanträge von Künstlerinnen und Künstlern aus Burkina Faso, Thailand, Mosambik, Litauen, Polen, Chile, Pakistan und der Mongolei ausgewählt, die ab 2018 in Zusammenarbeit mit deutschen Kunstschaffenden neue Produktionen entwickeln werden. Der Fonds soll über 2018 hinaus fortgeführt werden und eine bessere Ausstattung erfahren.

Zu den neuen Produktionen und der Fortführung des Fonds sagte Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts: „Die hohe Zahl von Anträgen für den Internationalen Koproduktionsfonds hat gezeigt, dass das Goethe-Institut damit vor zwei Jahren ein Instrument geschaffen hat, das für die Zusammenarbeit ausländischer und deutscher Partner im Bereich von Musik, Theater, Tanz und Performancekunst eine Lücke schließt. Es war richtig, den Fokus auf den Prozess des gemeinsamen Produzierens zu richten, und die Antragsstellung den ausländischen Partnern anzuvertrauen. Ein besonderes Merkmal des Fonds war von Beginn an das Engagement für internationale Plattformen, denn Koproduktion ist auch Wissensproduktion – und wir möchten dazu beitragen, dass dieses Wissen geteilt werden kann. Wir haben als Vorstand des Goethe-Instituts aufgrund des großen Erfolgs der Pilotphase beschlossen, das Budget des Internationalen Koproduktionsfonds in den kommenden Jahren zu erhöhen.“

Die nächsten Bewerbungsfristen des Internationalen Koproduktionsfonds sind am 15. Oktober 2018 (Onlinebewerbung ab 15. September 2018) und am 15. April 2019 (Onlinebewerbung ab 01. März 2019). Weitere Informationen unter: www.goethe.de/ikf

Für die fünfte Runde wählte die Jury letzte Woche acht von insgesamt 118 neuen Kulturprojekten aus. Die Jury bestand aus Margarete Zander (Kulturjournalistin), Inke Arns (künstlerische Leiterin und Kuratorin Hartware MedienKunstVerein HMKV), Florian Malzacher (Autor und Kurator), Roberto Casarotto (künstlerischer Leiter und Tanzexperte Centro per la Scena Contemporanea di Bassano del Grappa, Operaestate Festival Veneto) und Peter Anders (Leiter Goethe-Institut Tokyo).

Folgende Projekte wurden ausgewählt:

„Jardin Silmandé“

Beteiligte: Patrick Kabré (Burkina Faso), Viktor Marek (Deutschland), Jelka Plate (Deutschland), Michael Böhler (Deutschland), Markus Lohmann (Deutschland)
„Jardin Silmandé“ ist ein interdisziplinäres Projekt, das in Hamburg, Berlin und Ouagadougou stattfindet. Über Crowdfunding wird Land in der Nähe von Ouagadougou erworben, das durch Bepflanzung zum öffentlich nutzbaren Garten entwickelt wird. Dieser soll nicht nur die Umgebung vor Erosion des Bodens schützen, sondern auch zum Ort für soziale und künstlerische Interaktionen und Aufführungen werden, wie etwa für die neuen Werke der Musiker Patrick Kabré und Viktor Marek.

„Rising“

Beteiligte: B-floor physical theatre company (Thailand), Julian Weber (Deutschland), Pawit Mahasarinand – Bangkok Art and Culture Centre (Thailand), Tanzfabrik Berlin (Deutschland)
„Rising“ manifestiert sich in einer Dauerchoreografie, bei der sich die Tänzer dem Phänomen des Protests aus einer choreografischen und skulpturalen Perspektive widmen. Der besondere Ort, die freie Beweglichkeit im Raum und die öffentlichen Proben brechen dabei mit dem traditionellen frontalen Theaterformat und beziehen das Publikum aktiv in die Arbeit mit ein.

„Life in numbers“

Beteiligte: CulturArte – Katia Manjate, Ana Lucia Cruz, Panaibra Canda (Mosambik), situation productions – Bettina Lehmann, Anna Till (Deutschland), tanzhaus NRW (Deutschland), CCMA – Centro Cultural Mocambicano-Alemão (Mosambik)
„Life in numbers“ basiert auf der Suche nach der Relevanz einer mathematischen Vergleichbarkeit. Im Fokus steht ein Lebensvergleich beider Choreografinnen, die reflektieren, wie Zahlen ihr Leben beeinflussen und die Kriterien hinterfragen, die verwendet werden, um Identität und Charaktereigenschaften des Einzelnen durch statistische Untersuchungen einzuordnen.

„Pozesijos Obsesija“

Beteiligte: Lithuanian National Drama Theatre (Litauen), She She Pop Theaterkollektiv (Deutschland), Lithuanian Culture Institute (Litauen)
„Pozesijos obsesija“ rückt die Idee der Eigentümerschaft in den Mittelpunkt und stellt Gesellschaften in einer Zeit nach dem Kommunismus und Kapitalismus in einer Interaktion mit dem Publikum dar. Im Mittelpunkt steht ein gemeinsam geschriebener Text, der sich aus Interviews mit Litauern sowie Teilen einer älteren Produktion von She She Pop zusammensetzt.

„a Temporality“

Beteiligte: Mongolian Contemporary Art Support Association (Mongolei), Carsten Nicolai aka Alva Noto (Deutschland)
In „a TEMPORALITY“ werden Jahrhunderte alte mongolische Gesangstraditionen multidisziplinär weiterentwickelt. Dazu werden neben skulptural-bildnerischen und performativen Elementen auch elektronisch generierte Transformationen des Ausgangsmaterials verwendet. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit werden in Ulaan Bator, Venedig und Berlin präsentiert

„The Golden Age Of Extremes“

Beteiligte: Stowarzyszenie Teatr Nowy (Polen), kainkollektiv (Deutschland), Ringlokschuppen Ruhr (Deutschland), tak Theater Aufbau Kreuzberg (Deutschland)
Die Theaterperformance „The Golden Age Of Extremes“ sucht nach vergessenen Versionen und verschwundenen Optionen der eigenen Zukunft. Dabei findet dieses Gedankenspiel in einem fiktiven Camp statt, in dem ein temporäres Zusammenleben und Zusammenarbeiten möglich ist.

„Freud Stein / El amigo piedra“

Beteiligte: Andrés González – ensamble f(r)actura, Estudio Modular de Música Actual EMMA (Chile), Nikola Lutz – Stuttgarter Kollektiv für Aktuelle Musik SKAM (Deutschland)
Vier Texte von Pablo de Rokha, dem chilenischen Pionier der avantgardistischen Literatur, bilden den Ausgangspunkt für kompositorische Annäherungen. Beteiligt sind neben den Komponistinnen Nikola Lutz und Ana Maria Rodriguez (Deutschland/Argentinien) und den Komponisten Andres González und Remmy Canedo (Deutschland/Chile) auch die Ensembles f(r)actura und SKAM aus Santiago und Stuttgart. Inspiriert durch Rokhas innovative Strategien bei der Textproduktion, sollen die neuen Werke in Chile und Deutschland im Rahmen ungewöhnlicher Konzertformate aufgeführt werden.

„The Playlist“ (WT)

Beteiligte: Fawad Khan (Pakistan), Elmira Bahrami (Deutschland), Jakob Weiss (Deutschland)
Im Zentrum dieser Produktion steht eine Reflektion über die zu Folterzwecken von muslimischen Gefangenen in Guantánamo eingesetzten Lieder US-amerikanischer Provenienz. Dabei werden diese Lieder von traditionellen pakistanischen Musikern neu arrangiert und interpretiert. Textausschnitte verschiedener Publikationen, die die Geschehnisse beschreiben und kommentieren, ergänzen die Produktion.

Über den Internationalen Koproduktionsfonds:
Mit dem Internationalen Koproduktionsfonds des Goethe-Instituts werden Koproduktionen von Künstlerinnen und Künstlern in den Bereichen Theater, Tanz, Musik und Performance gefördert, was auch hybride und interdisziplinäre Formate einschließt. Zu den Vergabekriterien zählen neben einer hohen künstlerischen Qualität das Innovationspotential, die Relevanz der beteiligten Künstlerinnen und Künstler in ihren Szenen, der Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Diskurse sowie die Nachvollziehbarkeit des Finanzplans. Der Fonds fördert nicht nur die Produktionsentwicklung, sondern ermöglicht auch regelmäßige Treffen, die den Austausch und die Nachhaltigkeit der Projekte sichern. Bewerben können sich Künstlerinnen und Künstler sowie Ensembles und Initiativen im Ausland und in Deutschland. Aus der gemeinsamen Bewerbung muss klar hervorgehen, dass bereits gute Arbeitskontakte bestehen und ein beidseitiges Interesse an der gemeinsamen Produktion vorliegt. Die Bewerbung erfolgt durch den ausländischen Partner. Begleitet wird die Ausschreibung von den örtlichen Goethe-Instituten weltweit.

Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Mit 159 Instituten in 98 Ländern fördert es die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland, pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit und vermittelt ein aktuelles Deutschlandbild. Durch Kooperationen mit Partnereinrichtungen an zahlreichen weiteren Orten verfügt das Goethe-Institut insgesamt über rund 1.000 Anlaufstellen weltweit. Mehr Informationen unter www.goethe.de

 

Kontakt:

Dr. Jessica Kraatz Magri
Pressesprecherin und
Bereichsleiterin Kommunikation
Goethe-Institut e.V.
Jessica.KraatzMagri@goethe.de

 

Hannah Cuvalo
Referentin Presse-
und Öffentlichkeitsarbeit
Goethe-Institut
Hauptstadtbüro
hannah.cuvalo@goethe.de