Pressemitteilung des Goethe-Instituts vom 6. Juni 2018

Goethe-Institut: Internationale Vernetzung feministischer Positionen und deutsch-französische Zusammenarbeit

In den kommenden Monaten befasst sich das Goethe-Institut verstärkt mit Feminismus und Geschlechtergerechtigkeit in verschiedenen Ländern: Ein groß angelegtes Festival-Programm in Brüssel und Kairo etwa bringt feministische Positionen aus Europa und Nordafrika zusammen. Eine arabischsprachige Webseite thematisiert Genderfragen und Sexualität. Die deutsch-französische Zusammenarbeit als ein Fundament der europäischen Integration will der größte deutsche Mittler der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik künftig weiter ausbauen.

Bei einem Pressegespräch in Berlin äußerte sich Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, zu den Rahmenbedingungen für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik: „Das gemeinsame Interesse für Deutschland in der Welt muss das Interesse an einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft sein. Sie gilt es offensiv zu vertreten. Das Goethe-Institut vertritt diese Haltung, und wir wünschen uns dafür die politische Unterstützung für unsere Arbeitsfähigkeit und die dafür nötigen Ressourcen.“ Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, führte aus: „Es geht derzeit um die großen Fragen – die Zukunft eines friedlichen und gerechten Europas, die Krise der liberalen Werteordnung und zunehmende Angriffe auf die Demokratie. Internationale Kultur- und Bildungsarbeit sind kein Beiwerk, sondern zentraler Faktor in einer auf Wissensaustausch angewiesenen Gesellschaft. In Zeiten zunehmend politischer, wirtschaftlicher und kultureller Grenzziehungen geht es darum, dem europäischen Ideal der Völkerverständigung neue Lebenskraft zu geben. Hierfür brauchen wir 2018 und 2019 stärkere Unterstützung auch von politischer Seite, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.“

In den kommenden Jahren legt das Goethe-Institut einen Schwerpunkt auf feministische Diskurse und künstlerische Positionen sowie auf Programme, die Frauen stärken, insbesondere ihren Zugang zu Bildung und gesellschaftlichen Schlüsselpositionen. Klaus-Dieter Lehmann: „Das Goethe-Institut fördert die Stärkung von Frauen durch kulturelle und bildungspolitische Programme bewusst und bereits seit vielen Jahren. Das erfolgt auf mehreren Ebenen: durch eine künstlerische und intellektuelle Auseinandersetzung, durch die gezielte Förderung und Vernetzung von etablierten Künstlerinnen sowie durch Bildungsprogramme für Mädchen und junge Frauen.“ Lehmann betonte: „Oft bleibt in der deutschen Öffentlichkeit unerwähnt, dass es auch in Ländern wie Ägypten, Tunesien oder dem Libanon Aktivistinnen, Akademiker und Künstlerinnen gibt, die sich mit Gender-Themen auseinandersetzen. Das Projekt ,Tashweesh‘ nimmt sich der kontrovers geführten Debatte um Tradition, Islam und Feminismus auf intellektueller und künstlerischer Ebene an und hinterfragt die stereotypen Gegensätze vom ,aufgeklärten‘ Westen und den ,rückständigen‘ arabisch-muslimischen Gesellschaften. Es geht aber auch darum, die Präsenz von Frauen und deren Blick auf die Welt in noch männlich dominierten Kulturindustrien zu erhöhen, wie etwa im Bereich der digitalen Spiele, die ja zunehmend unsere Imaginationswelten prägen, und damit das gesellschaftliche Verständnis für die Bedeutung von Gleichberechtigung auszuweiten.“

Generalsekretär Johannes Ebert berichtete, dass das Goethe-Institut sich derzeit mit dem Auswärtigen Amt und dem französischen Außenministerium sowie dem Institut français in Gesprächen befinde, um die deutsch-französische Zusammenarbeit auszubauen. „Wir sehen drei mögliche Ansätze hierfür: die Intensivierung gemeinsamer Programme, gemeinsame Unterbringungen und die Gründung von neuen deutsch-französischen Instituten.“ Johannes Ebert: „Auch wenn die deutsch-französische Zusammenarbeit heute nicht mehr ohne den gesamteuropäischen Kontext gesehen werden kann – sie ist und bleibt ein Fundament der Europäischen Union. Derzeit prüfen wir die Möglichkeiten und Orte für die Neugründungen. Mit den ersten Schritten haben wir begonnen, und wir können diese realisieren, sobald der Bundestag und das Auswärtige Amt die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen.“ Dabei sei es aber ebenso wichtig, dass im Zuge der Neugründungen nicht die Herausforderungen für das bestehende Netzwerk – wie etwa Digitalisierung, weltweit steigende Inflation und die Sicherheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Krisenregionen – übersehen würden, so Ebert.

Johannes Ebert berichtete weiter, dass man auch in der Türkei derzeit die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern intensiviere: Unter dem Titel „Orte der Kultur“ bildet das Goethe-Institut zusammen mit dem Auswärtigen Amt, der Istanbuler Stiftung für Kultur und Kunst, der türkischen Organisation Anadolu Kültür sowie internationalen Partnern wie dem Institut français, aber auch der niederländischen Botschaft und dem schwedischen Generalkonsulat, eine Plattform zur Förderung lokaler Kulturinitiativen und aufstrebender Künstlerinnen und Künstler.

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